Eine vergessene Industrie in Dillhausen

Beschreibung Dillhausen aus dem Festbuch „700 Jahre Dillhausen 1307 bis 2007“

Es gibt viele Möglichkeiten, ein Festbuch zur 700-Jahr-Feier zu beginnen. Wir haben uns für eine Beschreibung des Dorfes entschieden, die fast einhundert Jahre alt ist. Betrachtet man den heutigen Ortskern von Dillhausen, dann hat diese Beschreibung von 1910 auch jetzt noch ihre Gültigkeit.
Das Dorf Dillhausen zählt zur Zeit nach der letzten Volkszählung 514 Einwohner. so beginnt der Berichterstatter seine Beschreibung. Folgen wir nun im Geiste dem Weg der Darstellung durch Dillhausen und wandern ein wenig in die Umgebung. „Es ist ringsum von vier Bergen, dem Stein, Hermannsberg, Köppelchen und Dunkel eingeschlossen. Unterhalb des Dorfes ist ein schön gelegener Wiesengrund. Durch das Dorf und an den beiden Mühlen (Keßlersmühle und Lochmühle genannt) vorbei fließt der Faulbach. Die Hauptstraße des Dorfes führt nach Probbach und Obershausen. Von der Hauptstraße führen rechts und links je drei Straßen ab. Von Probbach kommend rechts der Hohlweg, der Hartweg und die Adolfshöhe. Desgleichen links die Lehmgrube, die Judengasse und die Neugasse. Die zwei im Dorf zusammenfließenden Bäche, welche bis zum Jahre 1900 offengelegen, wurden in der Zeit von 1900 bis 1904 mittels Röhren durch eine in 1902 neu erbaute Monierbrücke geführt. Oberhalb des Dorfes im Distrikt Neuwiese lag früher ein alter versumpfter Brandweiher, welcher im Jahre 1904 wieder neu hergerichtet wurde. Im Jahre 1873 wurde im Walddistrikt Weidmesser ein neues Forsthaus gebaut. Dem Namen nach heißt es Forsthaus Waldfrieden. Gegenüber dem Forsthaus im
Wiesengrunde befindet sich eine Mineralquelle. Im Jahre 1866 ließ der damalige Bürgermeister Johann Wilhelm Beck einen Plan entwerfen, um das Mineralwasser ins Dorf zu leiten. Inzwischen starb derselbe. Sein Nachfolger Friedrich Rink führte diesen Entwurf aus.

Beim Backhaus befindet sich jetzt der Brunnen, der besonders zur Sommerzeit manchen Durstigen ein Labtrank ist. Im hiesigen Gemeindewald am Wege nach Winkels steht eine Kapelle, Heiligenhäuschen genannt. Wie die Sage geht, soll im Schwedenkrieg dort eine große Schlacht gewesen und diese Kapelle zum Andenken errichtet worden sein. Die nächste Umgebung nennt man bis heute noch Die rote Erde. Auf dem Weg nach Obershausen, an das Dorf angrenzend, ist ein Stolleneingang, der zur Grube Schiefer führt. Die Grube „Schiefer, die der Aktiengesellschaft Buderus`sche Eisenwerke in Wetzlar gehört, besteht schon längere Jahre. Der Betrieb wurde aber von Zeit zu Zeit eingestellt, bis vor 8 Jahren derselbe wieder frisch aufgenommen wurde und jetzt vielen Bergleuten lohnenden Verdienst bietet.Soweit der Auszug aus dem Original , der erkennen lässt, was sich verändert hat, aber auch was im
Wesentlichen verblieben ist. Leider können die Durstigen den Labtrank beim Backhaus heute nicht mehr genießen, und wer nach Obershausen will, hat auch eine neue Möglichkeit. Damals führte die Straße nach Obershausen durch die Hohl (heute Zum Schiefer) hinauf und über den Alten Schieferweg. Der heutige Weg wurde in den Jahren der Arbeitslosigkeit zwischen 1925 und 1928 gebaut und erhielt den Namen“ Neuer Weg“.

Ganz anders klingt eine Beschreibung aus der Limburger Neue Presse vom 18. Juni 1960 mit dem Titel „Der Mensch in seiner Heimat“. Inmitten von duftigen Wiesen und schattigen Baumgruppen, eingebettet in eine tiefe Talsenke, liegt Dillhausen, ein Dorf in einem der schönsten Täler des Oberlahnkreises. Es ist interessant, zu erfahren, wie oft das Dorf schon seinen Namen gewechselt hat. Die Gründung des Dorfes ist wahrscheinlich auf einen Bauern namens Dill zurückzuführen, der sich hier 1307 ansiedelte. Im Laufe der Jahrhunderte setzte nun ein anhaltender Wandel des Namens ein. Schon im Jahre 1313 wurde aus Dillhusen Dildehusen, 1460 Dyelhusen, 1501 Tiehlhusen, 1571 Dielhaußen und schließlich 1778 Dillhausen, der Name, der bis heute bestehenblieb. Obwohl Dillhausen erst im Jahre 1307 urkundlich erwähnt worden ist, besteht kein Zweifel, dass es schon seit dem Jahre 1000 existiert. Dies geht aus der Geschichte des Nachbardorfes Nenderoth und der engen Verbindung beider Orte mit der Wilinaburgia, dem heutigen Weilburg, hervor. Die ersten Dillhäuser waren Zinsbauern. Über diese staatsbürgerliche Stellung geben Tauschurkunden über Leibeigene Aufschluss. Unter anderem bezeugen sie, dass alle Einwohner des Dorfes ohne Ausnahme Leibeigene waren. Heute können sich die Einwohner von Dillhausen nicht mehr von der Landwirtschaft ernähren. Sie wird fast nur noch als Nebenerwerb betrieben, denn das Land, das vormals in den Händen weniger Bauern lag, ist heute unter viele Besitzer zersplittert.
Zudem ist das Land schlecht, da nur eine dünne Erdkruste den Schieferboden bedeckt.
Deshalb stößt man, wenn man die Fluren Dillhausens durchstreift, immer wieder auf große Flächen brachliegenden Landes.
Mit der Bildung der Großgemeinde Mengerskirchen im Jahr 1971 wurden viele Straßen umbenannt. Durch die beginnende Bautätigkeit Anfang der fünfziger Jahre (1951/1952) erweiterte sich Dillhausen ständig, so dass es heute einen wesentlich größeren Wohnbereich umspannt. In einigen Straßen wurden Baulücken geschlossen oder Straßen um ein oder zwei
Häuser erweitert. Wären im alten Ortskern nicht so viele Häuser umgebaut, Ställe und Scheunen nicht ausgebaut worden, könnte man Dillhausen in diesem Wohnbereich noch wie 1910 erkennen. So bleibt unsere Bewunderung auf wenige Fachwerkhäuser und Scheunen beschränkt.

Bilder und Ergänzungen folgen. 27.7.2011 Rainer Pfeifer